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Vergleichende Medienforschung führte lange Zeit in Deutschland nur ein Schattendasein. Dies korrespondierte mit einem eher geringen Interesse an Vorgängen in anderen Teilen der Welt. Wenn überhaupt, dann wurden vor allem amerikanische Entwicklungen in die Analyse einbezogen, aber auch Beschreibungen der USA blieben eher an der Oberfläche — oft diente das Land als Wunsch- oder Schreckbild, also als Projektionsfläche, wobei der Zugang zu seinen Widersprüchlichkeiten verwehrt blieb. In einer sich globalisierenden Welt wirken sich Entwicklungen jenseits der nationalen Grenzen intensiver und unmittelbarer im eigenen Land aus: Satelliten erlauben den Einblick in Programme aus anderen Kontinenten, das Internet ermöglicht Zugang zu Informationen aus jedem Winkel der Welt. Viel unmittelbarer als jemals zuvor sind wir mit anderen Kulturen und deren Medienprodukten konfrontiert, Unverständliches muss begriffen und in die Sprache der eigenen Erfahrung übertragen werden. Vergleichende Forschung hat sehr viel mit dem Verstehen einer politisch und kulturell fragmentierten Welt zu tun, die freilich auch wieder durch übergreifende Gemeinsamkeiten zusammengehalten wird. Mit beidem, der Gemeinsamkeit und der Differenz, beschäftigt sich im Kern jeder vergleichende Ansatz.
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