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Als die Verlagsbuchhandlung mich zur Übernahme eines Bandes der "Natur-und kulturphilosophischen Bibliothek" aufforderte, sah ich darin einen willkom- menen Anlaß, ein lange gehegtes Vorhaben zur Aus- führung zu bringen: Die ältere vitalistische Literatur gründlicher und nicht nur in Bruchstücken kennenzu- lernen, war seit längerem meine Absicht ; hier bot sich ein realer Antrieb zu solchem Studium in der Gelegenheit, die Früchte desselben zugleich nutzbar zu machen für weitere Kreise.Auch war es mir lieb, einmal die Gesamt- heit meiner Ansichten über das Leben in systematischer Form darstellen zu können für einen Leserkreis, welcher weiter als der eigentlich naturwissenschaftliche ist.So ist denn diese "Geschichte" und diese "Lehre" des Vitalismus entstanden.Durchaus anspruchslos treten die Ergebnisse meiner historischen Studien auf und wünschen auch so aufge- nommen zu werden.Ich bin kein Historiker, und nichts liegt diesem Buche ferner als die Absicht sachlich-ge- schichtlicher Vollständigkeit.Meine wissenschaftlichen Freunde wundern sich vielleicht überhaupt, wie gerade ich, der ich über historische Elemente in den eigentlichen Naturwissenschaften stets sehr abweisend geurteilt habe und noch urteile - , dazu komme, Geschichte zu schreiben.Ich denke aber, es ist denn doch wohl eine andere Sache um phantastische "Stammbäume" als um die Er- XV Vorwort zur ersten Auflage.kenntnis dessen, was große Männer der Vorzeit über die Fragen gedacht haben, die auch unser Leben ausfüllen.Hier, wie in vielen Gebieten der Menschheitsgeschichte überhaupt, bekommt Historie einen ganz unmittelbar per- sönlichen Wert.Und im Sinne des mir persönlich Wertvollen sind denn auch diese geschichtlichen Skizzen geschrieben.Um durchaus unbefangen zu bleiben, habe ich kein einziges größeres Kompendium der Geschichte der Medizin 1 ) bei meinen Studien benutzt.Nur der kleine historische Abriß in W. Preyers ,, Allgemeiner Physiologie", welcher übrigens mit Vorsicht zu benutzen ist, und die vortreff- lichen Aufsätze von W. His: "Die Theorien der geschlecht- lichen Zeugung" (Archiv für Anthropologie, Bd.IV 1870 S. 197 und 317 und Bd.V 1872 S. 69) dienten mir zur all- gemeinen Orientierung.Von historischen Sonderstudien ist nur die im Text genannte ausgezeichnete Bonnet - Monographie Whitmans von mir benutzt worden.Rudolf Burckhardt vor allem hat in jüngster Zeit das Interesse an Biologiegeschichte neu belebt; seine Ar- beiten gehen aber das Klassifikatorische und im engeren Sinne Morphologische an, und die große Monographie seines Schülers Bloch behandelt eine Zeitepoche, die ich in meinen Studien bewußt ausschaltete.Von Bedeutung ist es immer, wenn namhafte For- scher selbst, sei es auch nur skizzenhaft, sich über Ge- schichte ihrer Wissenschaft äußern: in diesem Sinne findet sich vieles Wertvolle bei Ha 11 er, Blumenbach und Burdach.Die historischen Exkurse in Claude Bernards "Lecons sur les phenomenes de la vie" bieten eine gute Ergänzung zu meiner Arbeit, zumal im Hinblick auf den französischen Vitalismus des achtzehnten Jahr- hunderts und sein Gegenstück.x ) Die Geschichte der Zoologie von V. Carus kam nicht in Frage, da sie nur auf die klassifikatorischen und deskriptiv- morphologischen Bestrebungen Rücksicht nimmt.Vorwort zur ersten Auflage.V i So sind denn also vornehmlich, ja beinahe lediglich, die Originalia unserer Vorarbeiter meine Quellen gewesen.-Soll ich zu dem besonderen Inhalt dieses Buches etwas Persönliches bemerken, so mag es nur dieses sein, daß die Auseinandersetzung mit Kants "Kritik der Ur- teilskraft" mir mehr als alles andere am Herzen gelegen hat.Ich selbst kann nicht beurteilen, ob der Erfolg der Bemühung entspricht.-Viel Geschichte treiben mag unproduktiv machen, aber keine Geschichte treiben bedeutet vieles sagen, was bereits, und wohl gar besser, gesagt war.Zwar kann Biologiegeschichte nie in dem Grade die Wissenschaft selbst sein, wie Geschichte der Mechanik das ist; aber ganz und gar vom Zufall hängt darum doch auch sie nicht ab : auch in ihr gibt es ein Sich-selbst-vollenden der Grundgedanken.Es scheint mir in diesem Sinne von ganz be- sonderer Bedeutung zu sein, daß klar erkannt werde, wie im großen und ganzen der ältere Vitalismus dieselbe begriff- liche Entwicklung nahm, welche unser neuer Vitalismus nehmen muß.Nur sind unsere kritischen Ansprüche ge- wachsen und ist das verarbeitete Detail jetzt ein anderes und dazu unermeßlich reicher: freilich gestattet gerade dieses Detail die Beweise des neuen Vitalismus.
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