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Im Juli oder August des Jahres 1280 erließ Kaiser Michael VIII.Palaiologos ( † 11.12.1282) 1 ein Gesetz, das auf den ersten Blick etwas eigenartig anmutet. 2 Der eigentliche Text dieses Gesetzes ist nicht überliefert.Allein der Historiker Georgios Pachymeres berichtet über den Vorgang; seine Mitteilung darüber und insbesondere der Kontext der Ereignisse sind allerdings schwer zu verstehen.Schon Karl Krumbacher kennzeichnete die Lektüre dieses Geschichtswerkesvçllig berechtigt -als "qualvoll", 3 und der Abschnitt (IV,24), der mit der Nachricht über das Gesetz endet, gehçrt zu den schwierigsten.Es ging jedenfalls um bestimmte "Flugblätter" (v²lousa), 4 deren Besitz, Lektüre oder gar Ver-1 Zu ihm siehe A.M. Talbot, in: ODB 1365; D.M. Nicol, The Last Centuries of Byzantium, 1261 -1453.Cambridge 2 1993, bes.39 -89; D. Geanakoplos, Emperor Michael Palaiologus and the West, 1258 -1282.Cambridge 1959; J.-L. van Dieten, in: LexMa VI (1993) 599 -600 (hier ist das Todesdatum zu korrigieren); PLP 21528. 2 F. Dçlger/P.Wirth, Regesten der Kaiserurkunden des Ostrçmischen Reiches, Teil III.München 2 1977, Nr. 2047 (S. 137); der Text des Georgios Pachymeres unten in Anm. 4. Es wird auf O. Lampsides, Tim± peq• !mym¼lym kib´kkym 1m Bufamt¸\, EEBS 18 (1948) 144 -152, bes.152, verwiesen, der zwar ausführlich die phamousa behandelt, die basilographeia hingegen nur en passant erwähnt.3 K.Krumbacher, Geschichte der byzantinischen Litteratur von Justinian bis zum Ende des ostrçmischen Reiches (565 -1453).München 2 1897, 288; vgl.auch H. Hunger, Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner, I. München 1978, 447 -453.4 Georges PachymØrs, Relations historiques, II (Livres IV-VI).Édition et notes par A. Failler, traduction franÅaise par V. Laurent (CFHB 24/2).Paris 1984, 619,29 -621,5 (cap.VI.24): 9jjejoll´mgr to¸mum t/r paqqgs¸ar to?r 1keuh´qoir, rp¹ sjºtom v²lousa 1qqiptoOmto, tμm t/r !qw/r paqabas¸am 1k´cwomta.OR d³ t¹m cq²vomta lμ 5womter tilyqe?moq c±q Gm 1lvam¸feshai -, to?r erq¸sjousi baq´yr 1pe?wom, ¢r aqto?r rbq¸fousim7 vbqim c±q 1j²koum t¹m 5kecwom.9ccq²vyr toicaqoOm 1juqoOto B tilyq¸a t` lºmom erq ¶somti, eQ aqt¹r !macmo¸g, eQ %kk\ 1ne¸poi, eQ lμ j²oi paqaut¸ja.Pq¹r d³ ja• basikocqave¸ou 1cjakoul´m\, ¢r 5woi lºmom, B !peikμ h²mator %mtijqur.Zu den v²lousa siehe auch K.-P.Matschke, Die spätbyzantinische Öffentlichkeit, in: Mentalität und Gesellschaft im Mittelalter.Gedenkschrift für Ernst Werner, hg.von S. Tanz (Bei-breitung unter Strafe gestellt wird.Selbst derjenige, der diese Schriften nicht sofort verbrennt, wird von der Strafe getroffen; den Verfassern wird sogar die Todesstrafe angedroht.Die "Regesten der Kaiserurkunden des ostrçmischen Reiches" von Franz Dçlger -bzw.deren Überarbeitung durch Peter Wirth -, wo das Gesetz Kaiser Michaels natürlich erwähnt wird, vermeiden es aus nicht nachvollziehbaren Gründen, den von Pachymeres benutzten Begriff basikeiocqave?om anzuführen, mit dem gerade die Sorte von v²lousa (wie richtig von Dçlger/Wirth benannt) bezeichnet wird, deren Verfasser mit dem Tode bedroht werden.Basileiographeion ist eine nicht sehr gebräuchliche, aber doch hinreichend belegte Bezeichnung für eine bestimmte Art kaiserkritischer Schriften.Wir werden uns gleich näher mit ihr zu befassen haben.5 Doch zunächst zu den v²lousa (phamousa): Es handelt sich um ein seit der späteren Spätantike 6 ins Griechische eingedrungenes lateinisches Fremdwort (val_som bzw.v²lousom, vgl.libellus famosus, famosa cartha, carthula famosa, scriptio famosa libellorum, famosus usw.).7 Dieses Gesetz Michaels VIII.aus dem Jahre 1280 basiert auf älteren ähnlichen Bestimmungen.Titel 34 des 9. Buchs des Codex Theodosianus, das "ehrabschneidende Schriften" (De famosis libellis) 8 behandelt, enthält 10 einschlägige Gesetze von Konstantin dem Großen bis Theodosius II.Die libelli famosi wurden verboten, insbesondere dann, wenn sie anonym waren.Ihre Herstellung und Verbreitung wird als Kapitaldelikt eingestuft.9 Ein Gesetz des Kaisers Valens fand darüber hinaus Aufnahme in den Codex Iustinianus.Es ist vermutlich in einem Zusammenhang mit den Exzessen zu sehen, die dieser Kaiser in Szene setzte bzw.setzen ließ und die zu umfassenden Majestäts-und träge zur Mentalitätsgeschichte, 2).Frankfurt usw.1993, 155 -223, hier 189 f.; J. Dräseke, Byzantinische Hadesfahrten, Neue Jahrbücher für das klassische Altertum 15 (1912) 343 -366, sah in Mazaris' Hadesfahrt ein derartiges v²lousom.Aber der Begriff der Satire ist wohl angebrachter.5 Zu basikeiocqave?om siehe ausführlich unten S. 161 -172.6 Diese Bezeichnung wird hier im Sinne von W. Liebeschütz, Late Late Antiquity (6 th and 7 th centuries) in the Cities of the Roman Near East, Mediterraneo Antico 3 (2000) 43 -75, verwendet.7 Vgl.die Nachweise bei Lampsides, EEBS 18 (1948) 145 (aus dem Codex Theodosianus); E.A. Sophocles, Greek Lexicon of the Roman and Byzantine Periods.Cambridge, Mass./Leipzig1914 (Nachdruck Hildesheim usw.1992), 1134 (s.v.val_som); C. Du Fresne S. du Cange, Glossarium ad scriptores mediae et infimae Graecitatis, I-II.Lyon 1688 (Nachdruck Graz 195), 1663 (s.v.v²lyssom, v²lousom).8
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