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Martin, John D. Representations of Jews in Late Medieval and Early Modern German Literature. Bern: Peter Lang, 2004, 253 pp. euro44.30 hardcover. Die germanistische Forschung ist eigentumlich gespalten, was die Beziehungen zwischen Christen und Juden in der deutschen Literatur des Mittelalters angeht. Hochst negative Einschatzungen, wie die ersteren ihre nichtchristlichen Mitburger behandelten und in den einschlagigen Texten beurteilten, stehen im starken Widerspruch zu Versuchen, sich von dieser extremen schwarz-weis Malerei zu trennen und ein differenzierteres Bild zu entwerfen. John D. Martin schlagt sich von vornherein auf die Seite der letzteren Gruppe, denn seine Interpretationen vor allem spatmittelalterlicher Spiele u.a. Texte bestatigen, dass sich uberhaupt kein einheitlicher Eindruck von dieser meist als feindselig und gewalttatig charakterisierten Beziehung gewinnen lasst. Martin studiert zunachst das St. Galler Passionsspiel und die Frankfurter Dirigierrolle, wendet sich anschliesend den Spielen aus Tirol, Halle und Frankfurt zu, konzentriert sich im vierten Kapitel auf das Alsfelder Passionsspiel und thematisiert darauf die Legende von St. Silvester (Konrad von Wurzburg). Im sechsten Kapitel kommen Theophilus, Der Judenknabe und St. Basil zur Sprache, gefolgt von einer Untersuchung der Fabeldichtung in der spatmittelalterlichen deutschen Literatur. Uberall treten naturlich extrem negative Bilder von Juden auf, die fur die Kreuzigung Christi verantwortlich gemacht werden. Kaum aber wendet sich Martins Blick speziellen Aspekten innerhalb der Texte zu, macht sich ein ganz anderer Eindruck bemerkbar. Vielmals konstatiert Martin, dass das Spektrum der judischen Charaktere in den Spielen erheblich breiter gewesen ist, als man dies bisher wahrgenommen hat. Gemeine, brutale und aggressive Typen stehen solchen gegenuber, die keineswegs blutrunstig Chnstus verfolgen, vielmehr aufmerksam seine Botschaft bedenken und sich als potentiell Konvertierbare herausstellen, womit generell die Aussage vermittelt wird, auch die Juden als Menschen zu akzeptieren, die sich auf der Suche nach Gott bzw. der gottlichen Wahrheit befinden. In einer Reihe von Spielen konstatiert Martin sogar, dass die Verfasser der fruheren Texte oftmals die Juden genau in dem gleichen Licht betrachten, das schon im Neuen Testament auf sie geworfen wird, wo Jesus niemals die Juden als solche verurteilt. Die Spiele tauschen freilich nicht dartiber hinweg, dass das Judentum insgesarnt abgelehnt wird, aber sie gehen oftmals soweit, innerhalb des dramatischen Geschehens judische Figuren auftreten zu lassen, die Respekt fur ihre Intelligenz, Weisheit und Menschenwurde erheischen. Dazu kommt auch, worauf Martin zu Recht hinweist, dass in den Tiroler Passionsspielen mehrfach Christus' judische Herkunft deutlich vor Augen gefuhrt und das Verhalten der judischen Zeitgenossen als Resultat der Verfuhrung durch den Teufel beschrieben wird. …
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