No open-access location is known for this record yet.
No open-access location is known for this record yet.
Die Wahlsoziologie der letzten Jahrzehnte kennt eine dominante Erzählung: Die Konfliktstrukturen, welche die Entstehung europäischer Parteiensysteme im 19. Jahrhundert prägten und zur politischen Bindung spezifischer sozialer Gruppen an einzelne Parteien führten, sind spätestens seit den 1960er oder 1970er Jahren in Auflösung begriffen (vgl. z. B. Dalton/Wattenberg 1993; Dalton 2000; Berglund et al. 2005; Weßels 2000; Clark/Lipset 2001). Die Bedeutung sozialer Konfliktlinien für eine Erklärung zeitgenössischen Wahlverhaltens schwindet, um – womöglich – in nicht allzu ferner Zukunft völlig obsolet zu werden (vgl. für die Bundestagswahl 2005: Schoen 2009; Lane/Ersson 1997 im Allgemeinen). Dieses weit verbreitete Schwund-Narrativ benennt unterschiedliche Ursachen für das nahende Ende einer politisierten Sozialstruktur. Zwei dieser Ursachenkomplexe sind “globaler” oder internationaler Natur und treffen als solche auf alle Parteiensysteme zu, die sich einst auf der Basis sozialer Konflikte formierten. Hierzu gehören einerseits Wandlungsprozesse auf der Nachfrage- oder Wählerseite, die sich im weitesten Sinne unter dem Stichwort der Individualisierung fassen lassen. Gleichzeitig werden Veränderungen auf der Angebots- oder Parteienseite als Verursacher genannt, die nachlassende Anstrengungen der Mobilisierung ehemaliger und aus Parteienperspektive offensichtlich immer weniger bedeutsamer Wählersegmente thematisieren.
Loading…
Stored only when both papers are in the corpus — 54 citations exist upstream.
Papers that cite the same references — the relational fallback while embeddings are still backfilling.
Imported from OpenAlex (CC0) — nothing here is generated.