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In der sozialwissenschaftlichen Forschung herrscht weitgehendes Einvernehmen darüber, dass der deutsche Sozialstaat in den beiden vergangenen Jahrzehnten – der Zeit nach der Wiedervereinigung – einen Prozess strukturellen Wandels durchlaufen hat. Zwar gibt es durchaus unterschiedliche Positionierungen mit Blick auf die Frage, wie weitreichend und tiefgreifend dieser sozialpolitische Wandel gewesen ist: ob es dabei – in der mittlerweile geradezu klassisch gewordenen Systematisierung Peter Halls (1993) – letztlich „nur“ um veränderte Muster des Einsatzes bereits bekannter Instrumente, um die darüber hinausgehende Einführung neuartiger Modi öffentlicher Intervention oder gar um die Institutionalisierung alternativer Zielvorstellungen sozialstaatlichen Handelns, einen veritablen „Paradigmenwechsel“ also, geht. Es kann als eine déformation professionnelle der Soziologie angesehen werden, regelmäßig gesellschaftliche Umbrüche entdecken zu „müssen“, als deren wahlweise abgeklärte/r oder aber dramatisierende/r Deutungsexperte/ in die bzw. der Professionsangehörige dann auftreten kann. Insofern ist weise Zurückhaltung respektive kritische Distanz gegenüber allfälligen Diagnosen irreversibler Strukturverschiebungen, abgebrochener Entwicklungspfade oder angebrochener Post-was-auch-immer-Zeiten durchaus angezeigt. The end of the world as we know it vollzieht sich nicht jedes Quartal, alle Jahre oder auch nur Jahrzehnte wieder, wirklich grundlegender sozialer Wandel und wahrlich paradigmatische Politikwechsel machen sich in der Gesellschaftsgeschichte rar – der Mensch ist, auch als Sozialwesen, ein Gewohnheitstier.
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