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Jeder Beitrag dieses Sammelbandes enthält — explizit oder implizit — eine Antwort auf die im Buchtitel signalisierte Frage: Müssen Erziehungstheorie und Erziehungspraxis, wenn sie zeitgemäß und zukunftsgemäß sein wollen, „Abschied von der Aufklärung“ nehmen? Meine Antwort lautet eindeutig: Nein! Der folgende Versuch, Grundlinien eines neuen Allgemeinbildungskonzepts zu zeichnen1, schließt den Widerspruch gegen Deutungen ein, die unsere geschichtliche Epoche und die in ihr sich abzeichnenden zukünftigen Entwicklungen mit Formeln wie „Das Ende der Aufklärung“, „Postmoderne“ o.ä. kennzeichnen, und das nicht nur im Sinne einer beschreibenden Feststellung, sondern mit programmatischem Anspruch. Demgegenüber bin ich der Auffassung, daß die Kernideen der Aufklärung in einem radikalen, d.h. an die Wurzeln gehenden Sinne nach wie vor begründbar gültig, jedoch nicht entfernt hinreichend eingelöst worden sind, daß sie also weitergedacht und weiterverfolgt werden müssen. Dabei setze ich jenen umfassenden Begriff von Aufklärung, Rationalität und Fortschritt voraus, wie er vor allem von Kant vertreten worden ist, so nämlich, daß die instrumenteile Rationalität, der „Verstand“, eingebunden bleiben muß in eine übergreifende, reflexive theoretische und praktische — „praktisch“ meint bei Kant: ethische — Rationalität, die nach den Voraussetzungen und Folgen und damit nach der Verantwortbarkeit instrumenteller Rationalität und ihrer Übersetzung in instrumentell-technisches, administratives oder politisch-strategisches Handeln fragt. Kant bezeichnete diese reflexive Rationalität bekanntlich — im Unterschied zur bloßen Verstandestätigkeit — als „Vernunft“.
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