'Vollbeschaeftigung' reflektierte schon immer die Idee, dass alle Menschen das Recht haben sollten, einen menschenwuerdigen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen. Es ist diese Bedeutung der sozialen Integration durch volle Teilnahme am Erwerbsleben, die das Vollbeschaeftigungsziel nach wie vor als eine wirkungsvolle regulative Idee erscheinen laesst. Dennoch bedarf ihr Inhalt einer Neubesinnung. Das Modell der kontinuierlichen und abhaengigen Vollzeiterwerbstaetigkeit ist laengst nicht mehr zeitgemaess, obwohl es noch vielen institutionellen Arrangements als implizite Norm zugrundeliegt. Dieses 'Die Maenner sind die Ernaehrer'-Modell verweigert den Frauen einerseits die volle Beteiligung am Erwerbsleben und entlastet andererseits die Maenner von jeglicher Verantwortung im Familienleben. In dem Beitrag wird vorgeschlagen, diese Norm durch die regulative Idee der Uebergangsarbeitsmaerkte zu ersetzen. Uebergangsarbeitsmaerkte waeren das komplementaere Element zu einer Innovations- und Investitionsstrategie, die zur Loesung der europaeischen Beschaeftigungskrise erforderlich ist. Sie sind als institutionalisierte Arrangements definiert, die zeitlich befristete Wechsel zwischen verschiedenen Beschaeftigungsformen oder die Kombination von bezahlter Arbeit und unbezahlten, sozial (und teilweise auch oekonomisch) gleichwohl nuetzlichen Aktivitaeten erlauben oder unterstuetzen. Schon existierende und vielversprechende innovative Beispiele in Europa werden vorgestellt. Ihr Beschaeftigungspotential wird anhand einer detaillierten Tabelle fuer die Bundesrepublik Deutschland und mit experimentellen Ueberlegungen fuer die Europaeische Union demonstriert. (HH)
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