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Wenn man sich aus klinischer Perspektive den theoretischen Fragen der Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Denkstrukturen des Zeiterlebens zuwendet, dann neigt man schnell dazu, Phänomene des pathologischen Erlebens zu einem Idealtypus oder einer perspektivischen Verkürzung zu verallgemeinern. Wir sprechen z.B. von dem Alter oder den alten Menschen, haben aber konkrete kranke alte Menschen, in unserem Fall schwer depressiv kranke alte Menschen vor Augen (vergl.: Warsitz 1992). Üblicherweise stört uns eine solche perspektivische Verzerrung wenig, wissen wir doch aus der Psychoanalyse, daß es dieselben psychischen und vorwiegend unbewußten Mechanismen sind, die das Krankhafte ebenso wie das sog. Normale oder das idealtypisch Gesunde aus sich hervorbringen und sei es durch unterschiedliche Kombinationen verschiedener solcher Mechanismen. Zwischen psychischer Krankheit und Gesundheit erstreckt sich eine stufenlose Übergangs- und Ergänzungsreihe, die Krankheit gibt es ebensowenig wie die Gesundheit, und der vielzitierte Gesundheitsbegriff der WHO als ein Gesamt von körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden erscheint klinisch hoffnungslos illusionär-besonders für das Alter. Insofern erlaubt uns diese Besonderheit der klinischen Perspektive eine Übertragung von pathologischen Phänomenen auf das “normopathische” Altsein. Will man es kraß ausdrücken, so verstehen wir die Normalität aus der Pathologie, wie Freud es uns vorbuchstabiert hatte.
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