Zusammenfassung. Seit den 1970er Jahren wird weithin angenommen, dass adaptives Testen im Vergleich zu nicht-adaptivem Testen eine motivationssteigernde Wirkung hat. In den letzten Jahren wurde jedoch wiederholt auch die gegensätzliche Sichtweise vertreten, dass sich adaptives Testen motivationsmindernd auswirken kann. Zur Klärung dieser Kontroverse wurde der Effekt adaptiven Testens mit dem Frankfurter Adaptiven Konzentrationsleistungs-Test (FAKT; Moosbrugger & Heyden, 1997 ) auf die Motivation zur Testbearbeitung experimentell untersucht (N = 79). Zwei unabhängige Stichproben bearbeiteten entweder eine adaptive oder eine nicht-adaptive Testform des FAKT. Die Motivation zur Testbearbeitung fiel in der adaptiven Versuchsbedingung signifikant niedriger aus als in der nicht-adaptiven Versuchsbedingung, p = .045, η2 = .051. Das Ergebnis widerspricht dem seit drei Dekaden weitgehend als Faktum angenommenen motivationssteigernden Effekt adaptiven Testens. Weitere Analysen zeigen, dass der motivationsmindernde Effekt adaptiven Testens vor allem auf die subjektive Einschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit zurückzuführen ist und nicht auf andere motivationale Komponenten wie die subjektive Misserfolgsbefürchtung oder die empfundene Herausforderung.
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