Die Diskussion über “Turns” oder “paradigmatische Wenden”, die in den letzten Jahren in der Translationswissenschaft geführt werden, ist zweifellos ein Zeichen sowohl für die Etablierung und Anerkennung der Disziplin innerhalb der scientific community als auch für die verstärkte Interdiszplinarität in der Forschung. Zu diesen Paradigmenwechseln zählt auch die so genannte “soziologische Wende”, in deren Kontext Fragen bezüglich Netzwerke von AkteurInnen und das Zusammenspiel ihrer Machtverhältnisse ebenso abgehandelt werden wie die sozialen, diskursiven Praktiken, die den Übersetzungsprozess im Allgemeinen und die diesbezüglichen Übersetzungsstrategien im Besonderen bedingen. Mein Beitrag versucht einigen der Beweggründe nachzugehen, die für das Aufkommen der “soziologischen Wende” verantwortlich sind und diskutiert auf kritische Weise, ob in diesem Zusammenhang von einer eigenen “Wende” gesprochen werden kann. Wenn die gesellschaftliche und soziale Perspektive auf die Übersetzungstätigkeit tatsächlich verstärkt in den Blick genommen wird, so ist eine Erweiterung traditioneller Konzepte in Forschung und Lehre unabdingbar. Eine Fallstudie zum Thema Dolmetschen im Weltsozialforum illustriert diese Notwendigkeit.
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