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Streit, Konkurrenz und Disharmonie sind für jedes soziale Gebilde ebenso kennzeichnend wie Konsens, Kooperation und Einigkeit. Auch wenn es mitunter im Interesse der Mächtigeren liegen mag, dies zu verschleiern: Immer wieder manifestieren, erneuern oder verändern sich in der Kommunikation vielfältige Gegnerschaften zwischen Einzelnen und/oder Gruppen, seien es Interessenkonflikte um knappe Mittel, Räume, Machtressourcen und Statuspositionen, seien es Konflikte um die Priorität von Werten, Normen, Lebenszielen usw. (vgl. Bühl 1976, Balla 2002, Blättel-Mink 2002).1 Während also ein „echter“ Konsens — im Sinne einer sachlichen Einigung über die Teilhabe an Herrschaft und materiellen Ressourcen oder die zugrunde liegenden Werte, Normen, Lebensziele usw. — kaum umfassend und auf Dauer herstellbar scheint, wird gleichwohl ‚Konsens‘ in vielfältiger Weise symbolisch dargestellt und als ein solches diskursives Konstrukt rhetorisch genutzt: zur Stabilisierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse, zur Legitimation und Durchsetzung politischer Entscheidungen, zur Einschwörung auf Einigkeit und identitätspolitische „Programme“ (im Sinne normativer Festlegungen darüber, was im Blick auf die Wir-Gruppe bzw. andere gemeinsam getan oder unterlassen werden soll oder muss, vgl. Niethammer 2000).
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