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Die Herrschaft der Reflexionselite beruht jedoch nicht nur auf einer neuklerikalen Heilsherrschaft, sie muß zugleich als eine Klassenherrschaft der Sinn-Vermittler verstanden werden. Die gesellschaftliche Macht, die diese Gruppe heute ausübt, entsteht nicht nur aus einer neuen Heilsgläubigkeit, sie beruht ebensosehr auf der Tatsache, daß sie sich als eine neue herrschende Klasse herausbildet. Um diesen Gesichtspunkt zu verstehen, muß man anerkennen, daß sich Herrschaft einer sozialen Gruppe nicht nur auf Formen des zustimmenden Glaubens — religiösen Heilsglauben oder rationalen Legitimitätsglauben — stützt, sondern mindestens ebensosehr durch die »Produktionsmittel des Lebens« (Marx), d. h. durch die Realitäten der jeweiligen gesellschaftlichen Formen der Arbeit bedingt ist. Die soziologischen Erklärungen, die das gesellschaftliche Geschehen unter dem Maßstab der Arbeit und ihrer politisch-sozialen Unterschiede und Auswirkungen verstehen, sind die Klassentheorien. Wenn wir diesen Gesichtspunkt in unserer Betrachtung zur Geltung bringen wollen, muß im voraus gesagt sein, daß sich diese soziologisch-analytische Abstraktion auf die gleichen Tatbestände richtet, die bereits in der Analyse der Heilsherrschaft auftauchten (insofern sind Wiederholungen von Tatbeständen unvermeidbar) und weiterhin, daß ein Begriff der »Klasse« verwendet wird, der sich nicht an den Arbeits- oder Produktionsbedingungen der Vergangenheit orientiert, sondern in einer Allgemeinheit verstanden wird, die auch die Neubildung von Klassen und Klassenherrschaft in der Gegenwart zu beurteilen erlaubt.
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