Für Fragen der beruflichen Ausbildung ist die empirische Analyse von Umfang und Organisation des Fachwissens erfahrener Praktiker von besonderem Interesse. Das Wissen sogenannter Experten für qualifizierte Tätigkeiten wird deshalb in jüngerer Zeit intensiv untersucht. Zwei Untersuchungsanordnungen waren dabei besonders stimulierend: Zum ersten das Erinnern von komplexen Schachstellungen, die kurz dargeboten wurden und danach von Schachmeistern deutlich besser reproduziert werden konnten als von weniger guten Spielern (Chase & Simon 1973; De Groot, 1965). Zum zweiten das Sortieren von Textaufgaben aus dem Bereich der Physik, wobei sich Unterschiede zwischen Experten und Anfängern zeigten, die als Wirkung des Wissens um physikalische Gesetze auf die Problemwahrnehmung gedeutet wurden (Chi, Feltovich & Glaser, 1981; Chi, Glaser & Rees, 1982). Die Fähigkeit zur raschen und als intuitiv erlebten Einordnung einer bestimmten Problemstellung zeichnet Experten in vielen Berufen aus (Bromme, 1992; Dreyfus & Dreyfus, 1987; Gruber & Mandl, in Druck; Hacker, 1992; Volpert, 1992), daher ist es verständlich, daß Untersuchungen zum Zusammenhang von Problemwahrnehmung und Wissen auf breites Interesse stoßen. Beide Arten von Studien werden häufig als Beleg für die besondere Bedeutung des reichhaltigen und hochstrukturierten bereichsspezifischen Wissens für die Problemwahrnehmung angeführt.
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