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Wo Fachbezeichnungen mehr sind als bloße Konvention, ist der hier gewählte Titel Philologische Selbstreflexion für einen Beitrag zur Geschichte der deutschen Literaturwissenschaft erklärungsbedürftig. Üblicherweise setzt die Fachgeschichtsschreibung dort an, wo sich eine spezialisierte Kommunikation mit deutschsprachigen Texten beschäftigt.1 Der Zusammenhang von Fachgeschichte und Deutschsprachigkeit zählt gleichsam von selbst zur Sache und hat überdies den Vorteil, daß die Geschichte der Germanistik sich nicht in einer unabsehbaren Vielzahl alter und womöglich irrelevanter Wissensformen und Bestände verliert. Andererseits, und das spricht gegen einen glatten Schnitt, hält die Germanistik noch in der Gegenwart an überkommenen Wissenstraditionen fest — unübersehbar schon dort, wo sie sich selbst als deutsche Philologie bezeichnet. In der Tat gab es die Philologie eigentlich schon immer. Rudolf Pfeiffer hat sie z.B. bis ins 3. Jh. v. Chr. zurückdatieren können,2 und darüber hinaus ist ein methodisch kontrollierter Rückbezug auf einen ersten Text — und das wäre eine sehr allgemeine Definition von Philologie — ein durchgängiges Korrelat zu unserer Schriftkultur. Doch selbst eine zum festen Bestand der Medienkultur umgedeutete philologia perennis ist nicht ohne weiteres schon ein wirklich auflösungsscharfer Zugriff auf die Geschichte der Germanistik. Im folgenden wird die These entfaltet, daß die (Alt-)Philologie dort als tragender Kontext für eine germanistische Fachgeschichte greifbar wird, wo sie sich selbst unter die Forderung stellt, eine eigene, das heißt gegenüber anderen Fächern selbständige und klar abgrenzbare wissenschaftliche Disziplin zu sein.
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