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Der öffentliche Diskurs über das Zusammenleben in Nichtehelichen Lebensgemeinschaften wurde lange Jahre polar geführt: Zum einen war die Diskussion seit Mitte der 70er Jahre durch die konservative Semantik des ‚Zerfalls der Familie‘ oder neutraler formuliert durch eine ‚zunehmende Pluralisierung privater Lebensformen‘ gekennzeichnet. Zum anderen wurden in den 80er Jahren sogar zukunftseuphorische Bilder einer ‚neuen Beziehung zwischen den Geschlechtern‘ entworfen (Bundesministerium 1985: 6). Mittlerweile, gegen Ende der 90er Jahre ist Nüchternheit eingekehrt. Zwar finden sich immer noch extrem negative Aspekte einer Debatte, die in der zunehmenden Verbreitung Nichtehelicher Lebensgemeinschaften eine Tendenz des ‚Verfalls familialer Werte‘ sehen, doch zeigen empirische Befunde, daß familiale Lebensformen mit Kindern immer noch gewählt werden und daß eine Pluralität privater Lebensformen in ‘Grenzen’ die Situation angemessener umschreibt (Lüscher/Engstler 1990; Löscher 1997; Engstler 1997). So ist das Zusammenleben in einer Nichtehelichen Lebensgemeinschaft, ob als voreheliche Lebensform, die häufig als „Ehe auf Probe“ verstanden wird, als Alternative zur Ehe oder als nacheheliche Gemeinschaft, in der meist nicht mehr ledige, sondern geschiedene Männer und Frauen leben, in der Bundesrepublik mittlerweile allgemein akzeptiert (Peuckert 1996). Die zunehmende Akzeptanz auch anderer als nur der ehelichen Lebensform läßt sich wesentlich auf die folgenden Wandlungen zurückführen: Auf Änderungen der Gesetzgebung, auf ein stetes Anwachsen der Anzahl verschiedener außerehelicher Lebensformen, auf die Bildungsexpansion und die damit verbundene Verlängerung der Jugendphase, einen in vielen Bevölkerungsgruppen gestiegenen Wohlstand und eine übergreifende Liberalisierung der Sexualmoral (Blossfeld/Nuthmann 1989; Klein 1992; Vaskovics/ Rupp 1995: 14). Die Nichteheliche Lebensgemeinschaft ist von daher wohl gegenwärtig eine aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenkende Lebensform, in der viele Menschen in ihrem Lebensverlauf zumindest temporär leben. Dabei handelt es sich um eine frei gewählte Lebensform, die sich nicht auf mangelnde finanzielle Möglichkeiten (Trost 1995) oder rechtliche Heiratsverbote zurückführen läßt, wie es noch zu Beginn der Jahrhundertwende der Fall war (vgl. Möhle in diesem Band).
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