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L'hospitalité langagière […] fait modèle pour d'autres formes d'hospitalité.Paul Ricœur: Sur la traduction Der Terminus »kulturelle Übersetzung« ist in den letzten Jahren zu einem Spielstein geworden, der in den Sprachspielen der Medien und der Werbung für kulturelle Produkte, aber auch für politische Anliegen mit Vorliebe eingesetzt wird.Warum das so ist, lässt sich leicht erklären: Der Begriff wirkt politisch korrekt und verspricht eine sichere Investition zur Bildung kulturellen Kapitals.Dass dem Begriff dieses Versprechen innewohnt, ist zwar nicht allein, aber doch in hohem Ausmaß Homi K. Bhabhas 1994 erschienenem Hauptwerk The location of culture zu verdanken, in dessen elftem Kapitel -How newness enters the world -der Begriff der »cultural translation« die Rolle des diskursiven Hauptdarstellers besetzt.Es gibt mittlerweile kaum Arbeiten zur kulturellen Übersetzung, die nicht zustimmend oder kritisch auf Bhabha Bezug nehmen, wobei zweifellos beide Arten der Referenz zur Festigung der Position des Autors als ›Meisterdenker‹ beitragen.Den Stellenwert, den Bhabha dem Begriff innerhalb seiner Theoriebildung zuschreibt, hat er übrigens in rezenteren Arbeiten bestätigt, z.B. in einem 2005 erschienenen Gedächtnis-Text für Edward Said. 1 Auf welche Weise und entlang welcher theoretischen Prämissen der indische Theoretiker den Begriff einführt, entfaltet und für die Hauptanliegen seines Buches fruchtbar macht, werde ich später ausführlich diskutieren.Zunächst aber möchte ich mich einer anderen, für jede kulturwissenschaftliche Arbeit grundlegenden Problematik zuwenden und, immer anhand des Beispiels der »kulturellen Übersetzung«, folgende Fragen stellen: Erstens, wie kommt es dazu, dass in den Kulturwissenschaften manche Begriffe einen Karriereweg beschreiten, der sich mit den Stationen Emergenz, hegemoniale Präsenz und anschließender inflationärer Entwertung beschreiben lässt?Was sagen solche Begriffskarrieren über den gegenwärtigen Zustand der Kulturwissenschaften aus? Zweitens, was passiert mit den Begriffen auf ihrer Wanderschaft durch die Texte, die Sprachen und die Kontexte?Welche Bedeutungsextensionen oder -reduktionen erfahren sie, welche Phasen der Metaphorisierung durchlaufen sie, und was geschieht mit ihnen in der Phase der Metaphorisierung?Es ist für das skizzierte Thema unvermeidlich, gleich eingangs die Frage der Metaphorisierung in den Raum zu stellen, denn es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass »kulturelle Übersetzung« bereits eine metaphorische Ausweitung des Übersetzungsbegriffs darstellt.Wenn »Übersetzen« gemeinhin den Vorgang bezeichnet, einen Text aus einer natürlichen Sprache in eine andere zu gießen, so sieht »kulturelle Übersetzung« von der Sprache und v.a.von der Verschiedenheit der Sprachen ab und meint zumeist die Übertragung von Vorstellungsinhalten, Werten, Denkmustern, Verhaltensmustern und Praktiken eines kulturellen Kontexts in einen anderen.Kulturelle Übersetzung in diesem Sinn kann durch literarische und filmische Repräsentationen geleistet werden, aber auch durch Praktiken des täglichen Lebens und der Politik. 2 Was bedeutet das alles für den Umgang mit diesen Begrifflichkeiten im Rahmen der kulturwissenschaftlichen Disziplinen?Für das Übersetzen im wortwörtlichen Sinn ist die Übersetzungswissenschaft zuständig, eine Disziplin, die wesentlich jünger ist als das Nachdenken über ihren Objektbereich und auch jünger als andere traditionelle Geisteswissenschaften.Innerhalb der Übersetzungswissenschaft sind es die internationalen Translational Studies, 3 die am nachhaltigsten durch Fragestellungen der Gender Studies und der Postcolonial Studies geprägt worden sind, doch auch sie bleiben immer an konkrete Übersetzungsleistungen und an konkrete Sprachen zurückgebunden und bewegen sich damit im Orbit der Textwissenschaften.Für die metaphorische Extension des Übersetzungsbegriffs ist hingegen jede und letztlich keine konkrete Fachdisziplin zuständig: Der Terminus ist ein Musterbeispiel für eine transdisziplinäre Herausforderung, häufig auch für eine transdisziplinäre Über-Forderung.4 Seine hegemoniale Präsenz in gängigen Diskursen hat der Begriff, wie bereits gesagt, zum Gutteil Homi Bhabha zu verdanken.Mittlerweile ist er in die Phase seiner inflationären Vermarktung eingetreten, die man vielleicht auch die Phase der Dissemination nennen kann: Er wurde und wird in heterogenen Kontexten angeeignet und bezeichnet dort jeweils hoch unterschiedlichen Referenzobjekte.Dazu zwei Extrembeispiele, die einmal eine Aneig-Erstveröffentlichung.Diesem Text liegt der Eröffnungsvortrag der Verf.bei der Konferenz Dritte Räume.
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