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Soweit ich sehe, scheint sich auch die neuere politikwissenschaftliche Wahlforschung immer noch im Spannungsfeld dessen zu bewegen, was KAASE einmal als “Dualismus ... zwischen sozialstrukturellen und politischen, zwischen langfristigen und kurzfristigen Erklärungsansätzen” (KAASE, 1973, S. 170) bezeichnet hat. Den auf diese beiden Grundperspektiven bezogenen theoretischen Ansätzen zur Erklärung individueller Wahlentscheidungen gemeinsam ist eine merkwürdige Abstinenz gegenüber der Problematik der kommunikativen Vermittlung zwischen Parteien und Wählern. Insofern scheinen die immer wieder zitierten Studien von LAZARSFELD und seinen Mitarbeitern heute mehr in methodischer als in theoretischer Hinsicht fortzuwirken (LAZARSFELD u. a., 1944; BERELSON u. a., 1954). Dabei liegen die Anknüpfungspunkte auf der Hand. Sozialstruktur und Politik sind ja nicht quasi-materiell miteinander verschraubt. Vielmehr ist es der kommunikative Prozeß der politischen Sozialisation, der offensichtlich dafür sorgt, daß sich die Realität des politischen Systems in den politischen Realitäten sozialstrukturell beschreibbarer Wählersegmente unterschiedlich bricht. Und wenn KLINGEMANN in kurzfristiger Perspektive meint, “die Wahlentscheidung der Bürger könnte auch etwas mit Politik zu tun haben” (KLINGEMANN, 1972, S. 25), dann ist doch offenkundig, daß Politik für den Bürger in aller Regel etwas ist, was eben zu diesem Zweck der Meinungsbildung von Politikern — nicht nur in Wahlkämpfen — dargestellt und von Massenmedien und Journalisten vermittelt wird.
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