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Die seit den achtziger Jahren im wissenschaftlichen Kontext diskutierte Globalisierung steht für die Intensivierung und Verdichtung weltweiter sozialer Beziehungen. Neue Technologien tragen wesentlich dazu bei, dass Informationen unabhängig von geografischen, politischen und kulturellen Grenzen an jedem beliebigen Ort und zu jedem Zeitpunkt empfangen werden können. Dem Internet kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu. Stehen Medien seit jeher unter dem Verdacht, Grenzen zum Verschwinden zu bringen, weil sie räumliche Entfernungen mühelos überwinden, so gilt dies für das Internet im besonderen Maße. Die Kommunikation im Internet scheint tatsächlich völlig unabhängig von geografischen Grenzen zu erfolgen und Entfernungen mühelos zu überwinden. Alle, die angeschlossen sind, können Menschen auf der ganzen Welt begegnen und mit ihnen kommunizieren, völlig unabhängig davon, wie weit entfernt sie auch voneinander wohnen mögen. Geografische Nähe ist damit kein verlässliches Kriterium mehr für die Möglichkeit der Kontaktaufnahme und den Aufbau sozialer Beziehungen, denn im Netz wohnen gewissermaßen alle gleich nah nebeneinander, nur jeweils einen Klick weit vom Anderen entfernt. Damit werden Möglichkeiten zur weltweiten Kontaktaufnahme geschaffen, die alle bisherigen Massenkommunikationsmittel in den Schatten stellen, wie etwa Howard Rheingold, ein Netzpionier der ersten Stunde, betont: „Sie können nicht einfach das Telefon nehmen, um sich mit jemandem verbinden zu lassen, der sich ebenfalls über den Islam oder kalifornischen Wein unterhalten möchte, oder mit jemandem, der eine dreijährige Tochter hat oder einen vierzig Jahre alten Hudson. Zu jedem dieser Themen können Sie jedoch an einer Computerkonferenz teilnehmen.“ (Rheingold 1996: 42) Durch diese grenzenlosen Kommunikationsströme werden geografische Grenzen und räumliche Widerstände überwunden, nationalstaatliche Grenzziehungen unterlaufen und ad absurdum geführt. Doch die geografischen Grenzen sind nicht die einzigen Grenzen, die durch den Cyberspace zunehmend irrelevant werden. Auch die Grenzen des Geschlechts, des Alters und der eigenen Identität sollen hier mühelos zu überwinden sein. Offenbar haben wir es nicht nur mit einer Enträumlichung und Entterritorialisierung, sondern auch mit einer Entgrenzung der Gesellschaft zu tun. Der Cyberspace scheint uns einer grenzenlosen Gesellschaft (vgl. Honegger u.a. 1999) ein gewaltiges Stück näher zu bringen.
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