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Der vorliegende Beitrag1 will einen Aspekt der Interaktion zwischen den Professionellen Sozialer Arbeit2 und ihren Klienten zur Diskussion stellen, den ich ‚Stellvertretungsparadox‘ nenne. Auf das Phänomen der regelmäßigen Stellvertretung bzw. Ferienvertretung als professionelle und nicht nur organisatorische Fragestellung bin ich im Rahmen einer von mir durchgeführten Studie zur Bedeutung der Anamnese in der Sozialen Arbeit gestoßen. In der untersuchten Erwachsenenpsychiatrie sind Vertretungen gang und gäbe, da viele Professionelle der Sozialen Arbeit zwar für alle Klienten einer bestimmten Station zuständig, aber häufig aufgrund von Bürozeiten, Teilzeitarbeit und Urlaub abwesend sind. So werden in Teilzeit angestellte Sozialarbeiter jeweils freitags vertreten, damit werden Erstgespräche auf ihrer Station von einem anderen Sozialarbeiter übernommen. Es handelt sich in der Praxis um eine übliche Ausgangslage, d. h. um ein Routinehandeln, das auf den ersten Blick v. a. organisatorische Implikationen mit sich bringt (wer, wann, wen vertritt, und wie die Fallarbeit wieder an den zuständigen Professionellen übergeben wird). Dabei handelt es sich um eine professionelle Paradoxie, die unter bestimmten Organisationszwängen wirksam wird (vgl. Schütze 1996, Kähler 2005). Obwohl es sich um eine verbreitete Praxis handelt, sind die Auswirkungen von Stellvertretungen auf die professionelle Interaktionsgestaltung und den Arbeitsbogen (nach Strauss et al. 1985) theoretisch nicht diskutiert.
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