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Die soziologische Beobachtung findet in der Gesellschaft statt (Vobruba 2009). Das wird auch daran deutlich, dass sie Selbstverständlichkeiten erst zu beobachten beginnt, wenn diese keine mehr sind. Eine solche Selbstverständlichkeit war lange Zeit die Existenz von Staatsgrenzen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs galten die Staatsgrenzen in Europa als unveränderlich gegebene Größen. Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs erlebte Europa eine Phase relativ stabiler politischer Ordnungen mit eindeutigen, nur in wenigen regionalen Sonderfällen (Südtirol, Baskenland, Katalonien, Galizien und Nordirland) umstrittenen Grenzen. Die Staaten waren die relevanten politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Raumeinheiten. Innerhalb ihrer Grenzen entstanden raumhaft strukturierte und unterscheidbare gesellschaftliche Ordnungen. Darauf gründete das europäische Raumund Grenzensystem, dessen Struktur durch „mehrere flächenmäßig in sich geschlossene Machtgebilde mit einheitlicher zentraler Regierung und Verwaltung und festen Grenzen“ charakterisiert ist (Schmitt 1950: 112).
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