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Alte Gewißheiten im Verhältnis von Jugend, Religion und Kirche sind gegenwärtig im Verfall begriffen. Die soziale Kategorie Jugend gehörte lange Zeit im öffentlichen Bewußtsein wie in der sozialwissenschaftlichen Forschung zu einer der prominentesten sozialen Kategorien überhaupt. Heute ist beides zu beobachten: Einerseits tendiert die Ausweitung der Jugendkategorie zu einer „Verjugendlichung“ der Gesellschaft insgesamt. Der Anspruch auf Jugendlichkeit macht vor keiner Altersgruppe mehr halt. Andererseits ist eine Entleerung des Jugendbegriffs zu beobachten. Es wird immer unklarer, was als spezifisch jugendlich zu kennzeichnen ist und inwiefern dies allen Jugendlichen auch nur in ähnlicher Weise zugesprochen werden kann. Die mit Jugend befaßten Wissenschaften sehen sich mit Positionen konfrontiert, die am eigenen Ast sägen, auf dem die Jugendforschung sitzt, nämlich an der Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit der sozialen Kategorie Jugend. „Jugend“ — so schreibt Shmuel Noah Eisenstadt — „wird weder als homogene Kategorie wahrgenommen, noch ist sie notwendigerweise weiterhin eine Kategorie der Konfrontation, wie sie es immer gewesen war. Sie ist nicht einmal notwendig weiterhin ein Kristallisationskern oder ein Träger latent charismatischer Qualitäten. Mir scheint, wir sind Zeugen eines sehr interessanten, sehr schwer zu fassenden, sehr wichtigenWandels — vielleicht hauptsächlich eines Verfalls — der allumfassenden Kategorie Jugend“ (Eisenstadt 1993:27).
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