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Das „kurze 20. Jahrhundert“ war nicht nur ein „Zeitalter der Extreme“ (Hobsbawm 1994: 20), im Rückblick können die Jahre zwischen 1914 und 1991 auch als eine Epoche der Organisierung und Institutionalisierung von Arbeitsinteressen bezeichnet werden. Die systemischen Ausprägungen der „organisierten Moderne“ (Wagner 1995), wohlfahrtsstaatlicher Kapitalismus und staatsbürokratischer Sozialismus, entstanden aus Versuchen, den für industriekapitalistische Gesellschaften zentralen Kapital-Arbeit-Gegensatz zu zähmen oder gar zu überwinden. Die Bezeichnung „kurzes 20. Jahrhundert“ impliziert freilich, dass die Gegenwart sich von dem unterscheidet, was zu Ende gegangen ist. Und in der Tat: blickt man heute auf die Organisation und Repräsentation von Arbeitsinteressen, so sieht man sich mit Krisenszenarien konfrontiert. Arbeiterparteien haben an Einfluss verloren, wohlfahrtsstaatliche Arrangements geraten unter Druck und auch die Kraft der Gewerkschaften scheint erschöpft. Allein zwischen 1993 und 2003 haben kontinentaleuropäische Gewerkschaftsbünde im Durchschnitt 15% ihrer Mitglieder eingebüßt. Zahlreiche Organisationen leben von „geborgter Zeit” (Waddington 2005: 3), weil ihre Mitgliedschaft überaltert ist und sich vorwiegend in schrumpfenden Wirtschaftszweigen befindet.
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